mein-scheessel.de | beeki.de - Facebook

LOKALES | KULTUR

Trachten, Slapstick und eine falsche Braut: Gut gelaunte Tänzer aus fünf Nationen machen Scheeßeler Trachtensommer zum Mammutspaß

Montag, 30.07.2018

Mehr als 130 Akteure aus fünf Ländern, die beim diesjährigen Trachtensommer mit ihren Tänzen und Trachten in zwei fast fünfstündigen Shows einen Teil der Welt auf die Bühne des Meyerhofgeländes holten – da klang das vom Vorsitzenden der „Original Scheeßeler Trachtengruppe“ Heiko Klee proklamierte Motto: „Als Fremde kommen, als Freunde gehen“ fast nach Klischee. Fakt ist: Die Zyprioten, Niederländer, Ungarn und Esten, die seit einigen Tagen allesamt in privaten Gastfamilien untergekommen waren, sind ein Paradebeispiel für gelebte Völkerverständigung – die Freundschaften einiger der einige der sieben Gruppen den Brauchtumspflegern von der Beeke spannen sich über drei Dekaden.

So waren die Moderationen von Heiko Klee und seiner Vorstandskollegin Maren Schwarz, am Samstagabend beim Showprogramm auf dem Meyerhofgelände mindestens ebenso spannend wie ihre ständig wechselnden „Trachtenoutfits“ von der Blaudruckschürze bis zum Holzpantoffel. Da kamen wahre Kuriositäten zu Tage: Etwa bei Dusslingen – der Kontakt entstand 1986 nach dem Fund einer Postkarte eines Luftballon-Weitflugwettbewerbs. Bei anderen halfen gemeinsame Bekannte wie „Drahtzieher“ Georg Schmidtlein aus dem oberfränkischen Effeltrich. Seit den 80ern in der Trachtenszene unterwegs und wegen seiner Haarpracht und des Dreizackhuts bei vielen „d‘Artagnon“ genannt, vermittelte er die estnische Gruppe „Tammed ja Toomed“. Die sagten genau wie die zypriotische Gruppe Sy.Ka.Li  in Scheeßel zu, und das, obwohl zeitgleich das wichtigste Szenefestival, die „Europeade“, in Portugal über die Bühne geht. Die estnische Leiterin Astrid Väizene, die er hier wiedertraf, erklärte, warum: „Scheeßel ist ein schöner kleiner Ort und die Atmosphäre auf dem alten Gelände einfach toll!“ 

Ihre Formation teilte sich die Bühne mit den Landsleuten von „Haka Harakad“, einer reinen Frauengruppe. Sie zeigten, dass zu den traditionellen Tänzen auch Ethnorock passt. Andere Ensembles bestachen mit mitreißender Livemusik wie die  Zyprioten mit Trommel, Laute und Geige oder die ungarische Band von Alba Regia Senior mit Klarinette und Streichern.  
Dabei waren es nicht die großen Showelemente, die am Samstag den Charme des Bühnenprogramms ausmachten. Sondern vielmehr die Begeisterung, mit der vor allem die ausländischen Formationen ihre Trachten und Tänze den mehreren hundert Besuchern im wohltuend abgekühlten Beekeort bei nur wenigen Regentropfen darboten. Allen voran die Niederländer von „Hai La Joc“, die  trotz eines nicht gerade jugendlichen Altersschnitts mit nahezu akrobatischen Einlagen, viel Slapstick und einem Fischernetz viel gute Laune ausstrahlen und ganze Geschichten erzählen. Ebenso machen es die Ungarn – hier wurde einer der Tänzer mit Schleier zur allgemeinen Gaudi als „falsche Braut“ verheiratet.

Doch nicht nur für die Besucher, die dank guter Organisation sogar trockene Sitze vorfanden, sind die Gäste eine Bereicherung, sondern auch für viele Quartiergeber.  Anke Wahlers aus Scheeßel, die  jedes Jahr Gäste aufnimmt, schwärmte: „Unsere holländischen Gäste sind zwar schon jenseits der 70, im Kopf aber so jung, dass ihr Besuch und die guten Gespräche ein echtes Geschenk ist!“ 

Aber auch die Gastgeber haben an diesem Wochenende reichlich fürs Publikum: Neue Ideen wie die musikalische Pausenuntermalung durch die Bläser von „Funny Blech“ oder  - nach der Apfelsorte „Scheeßeler Bunter“, die inzwischen sogar in China Früchte trägt – das gleichnamige vor Ort gebraute Craft-Bier, das mit einem offiziellen Fassanstich zelebriert wurde. Dafür wechselte der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Bassen extra von Tracht in Zivil. Doch auch bewährte Elemente durften nicht fehlen: Der Einmarsch mit Rede des Hochzeitsbitters auf Platt, der den jungen Männern den Tipp mitgibt: „Steiht nich nur anne Wand, sprecht Mädels an!“, der traditionellen „Siebensprung“  inklusive Purzelbaum mit Vertretern aller Gruppen und das große Finale, von der Akkordeonfraktion unter Leitung von Manni Küppers mit „Kein schöner Land“ und „Mussi denn“ begleitet. 

Erstaunlich: Viele der Gäste sprachen in ihren Moderationen so gut Deutsch, dass es für das Publikum  eine Freude war. Viele der internationalen Gäste hätten sich allerdings, ganz im Sinne der Völkerverständigung jenseits von Tracht, Tanz und Musik, eine englische Übersetzung gewünscht.

Suchbegriffe:
Das könnte Sie auch interessieren: