mein-scheessel.de | beeki.de - Facebook

LOKALES

Deftige Speisen, derbe Sitten: Erstes „Räuberessen“ im Scheeßeler Hof findet regen Zuspruch

Dienstag, 16.10.2018

Hände, die nach Schweinshaxen greifen, aus den geöffneten Fenstern des Scheeßeler Hofs dringt eine Stimme aus dem Mikro: „Klatscht gefälligst im Takt“, dann harsche Rufe: „Schankweib!“. Wirtin Margitta Meyer stehen die Schweißperlen auf der Stirn. Aber nicht etwa, weil ihre Gäste am Samstagabend ihre guten Manieren vergessen hätten.

Sondern, weil der Zuspruch zum ersten „Räuberessen“ in den neuen Räumlichkeiten so groß ist. An die 90 Teilnehmer aus Scheeßel und der gesamten Region haben sich angemeldet, um sich Spanferkel, Wachteln, Brotlaibe, Koteletts und Spare Ribs schmecken zu lassen. Gabeln sucht man hier vergeblich – die braucht man auch nicht, nur die eigenen Hände. Dabei hat der Musiker Sören Vogelsang, der heute nicht nur als Barde zotige bis deftige Lieder zwischen Schandmaul, Liedfett und Piratenmusik, aber auch Eigenes an der Gitarre darbietet, gleich zu Anfang als Zeremonienmeister die Regularien verlesen: Gegessen wird nur vom eigenen Teller, getrunken nur gemeinsam nach Ausbringen eines Trinkspruchs. Jeweils einer am Tisch ist verantwortlich für den flüssigen Nachschub, und wer der Bedienung an die (Linnen-)Wäsche geht, wird öffentlich angeprangert. Entsprechend hoch geht es an diesem Abend her.

Es ist gerade diese Stimmung, die Paul Pöpplow immer wieder fasziniert. Beim „Räuberessen“ vor zwei Jahren in Appel noch zu zweit, ist in dieser Auflage die Familie mit 17 Personen dabei. „Ich fand die Idee, mit den Händen zu essen, so toll – zumal mein Mann sonst so pingelig ist“, schmunzelt Schwester Karin Czekalla. Beide sind an diesem Abend stilecht in Leinen gewandet; Bruder Paul ist sonst in der Mittelalterszene unterwegs. Ebenfalls ein Fan von Re-Enactment und Mittelaltermärkten ist Christian Zerlank . Der Lauenbrücker, der den Abend von der Freundin als Überraschung geschenkt bekam, findet es fast ein bisschen schade, sein Gewand heute nicht dabei zu haben. „Die Atmosphäre hier ist toll, das Essen gut, und man wird mit netten Leuten zusammen gesetzt“, so sein Fazit. Für Musiker Sören Vogelsang, der – so ergibt die Nachfrage – wirklich so heißt, sind die Auftritte bei mittelalterlichen Festen wie diesem zum Haupterwerb geworden. „Ich war in der LARP-Szene unterwegs und habe einige Videos als Musiker ins Netz gestellt.“ Seitdem kann er sich vor Anfragen kaum noch retten. An der Szene schätzt er die lockere Atmosphäre: „Da sitzt der Oberarzt neben der Harz 4-Empfängerin, der Manager neben der Verkäuferin.“ Ob an diesem Abend noch einige auf den Tischen tanzen werden? Auszuschließen sei das nicht, weiß Karin Czekalla aus Sittensen aus Erfahrung – bis dahin müssen Spanferkel und Co. abgeräumt sein. Für Wirtin Margitta Meyer, inzwischen mit überbordenden Obst-Etageren bewaffnet, hat sich das Experiment gelohnt: Neben zahlreichen „Stammräubern“ aus Appel darf sie an diesem Abend auch viele neue Scheeßeler Gesichter begrüßen: „Wenn das so weiter geht, können wir nächstes Mal den großen Saal füllen!“ Text / Foto: Ulla Heyne

Suchbegriffe:
Das könnte Sie auch interessieren: